Wissenschaftler sehen Hinweise für ein umgekehrtes Paralleluniversum

Symbolbild: Paralleluniversum Copyright: gemeinfrei
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Honolulu (USA) – Eine Ballonsonde über der Antarktis hat Elementarteilchen aufgefangen, deren Eigenschaftlen beteiligte Wissenschaftler am ehesten damit erklären, dass sie aus einem spiegelhaften Paralleluniversum stammen, in dem selbst die Zeit rückwärts läuft.

Wie einige der beteiligten Wissenschaftler um den Teilchenphysiker Peter Gorham von der University of Hawaii aktuell gemeinsam mit Kollegen von der Cornell University berichten, basiert die extrem exotische Schlussfolgerung auf Messergebnissen der „Antarctic Impulsive Transient Antenna“ (ANITA), mit der Forscher und Forscherinnen über der Eisdecke der Antarktis eigentlich nach Neutrinos, also hochenergetischen Teilchen aus dem All fahnden (…GreWi berichtete).

UPDATE 22.05.2020, 13:00h: Seit der Veröffentlichung des hier primär zitierten “New Scientist”-Artikels mit dem Titel “We may have spotted a parallel universe going backwards in time” überschlagen sich die Reaktionen auf die Interpretation der ANTIA-Neutrinomessungen sowohl unter Experten als auch einmal mehr in den sozialen Medien. Tatsächlich unterstreichen auch die genannten und beteiligte Wissenschaftler, dass die Messungen und Daten noch lange keine Beweise für ein solches Universum darstellen, bestätigen aber zugleich auch, dass die bisherige Physik die Eigenschaften der gemessenen Teilchen nicht erklären könne. Weiterhin diskutiert werden aber auch Messfehler oder bislang unbekannte Eigenschaften des Antarktiseises und deren Auswirkungen auf Neutrinos. Tatsächlich zeigen sich die Wissenschaftler aber auch offen dafür, dass die Messungen Hinweise auf eine “neue” (bzw. andere) Physik” aufzeigen – ein rückwärtslaufendes Paralleluniversum, wäre hier einer der bereits zitierte elegantesten Ansätze.

– Ein Forbes-Artikel faßt die aktuelle Kontroverse und Reaktionen recht gut zusammen, den GreWi allen am Thema interessierten Lesern und Leserinnen als Info-Update in der Sache empfielt…

Während die Ergebnisse der ersten drei Flüge der Antenne zunächst ergebnislos erschienen, entschieden sich die beteiligten Wissenschaftler, die Daten erneut nach Signalen zu untersuchen – und wurden tatsächlich fündig.

Wie der New Scientist aktuell berichtet, war das entdeckte Signal jedoch anders, als man dies zuvor erwartet hatte – so anders, dass die Wissenschaftler es zunächst geradezu für unmöglich hielten: Statt von oben, also aus dem All (also sozusagen von oben), schien das Signal eines schwereren sog. Tau-Neutrinos aus dem Boden (also von unten) gekommen zu sein. 2016 ortete ANITA ein nahezu gleiches Signal erneut und seither weitere.

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Seither waren unterschiedliche Wissenschaftler darum bemüht, die unmöglichen Eigenschaften der Signale zu erklären, doch alle Erklärungsansätze auf der Grundlage der uns bekannten Physik, scheiterten.

Was bislang bleibt sind drei Szenarios: Entweder, es handelt sich schlichtweg um fehlerhafte Messungen. „Der einzige Weg, wie diese Messungen noch auf uns bislang vorstellbare Weise zustande kommen können ist die, dass sich ein Neutrino auf seinem Weg (aus dem All) durch die Erde in ein anderen Teilchen verwandelt und seine Richtung umgekehrt haben müsste“, so Gorham. Die Wahrscheinlichkeit für diesen zwar möglichen aber extrem seltenen Vorgang beziffert der Wissenschaftler auf geradezu gleich Null – nicht zuletzt, da ANTIA bislang nicht nur ein solches Ereignis, sondern gleich mehrere registrierten konnte.

Die verbleibende “einfachste” und eleganteste, vermutlich aber auch zugleich exotischste und kontroverseste Erklärung bleibt demnach die, dass die aufgefangenen Partikel aus einem Paralleluniversum stammen, in dem alles genau andersrum abläuft, wie in unserem eigenen: „Oben ist unten, rechts ist links und sogar die Zeit läuft – aus unserer Perspektive betrachtet – rückwärts.“

Sollten die Ergebnisse also keine einfachen Messfehler sein, so wären die Konsequenzen geradezu unglaublich, resümiert Ibrahim Safa von der University of Wisconsin–Madison:
“Was derzeit bleibt, ist die Erkenntnis, dass wir entweder etwas ganz faszinierendes gemessen haben, oder etwas total langweiliges.”

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Quelle: New Scientist

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