Wurm entwickelte Fähigkeit, den ganzen Kopf nachwachsen zu lassen

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Der nachgewachsene Kopf dieses Schnurwurms (Tubulanus sexlineatus) zeichnet sich noch deutlich durch seine hellere Färbung vom Restkörper ab. Copyright: Terra C. Hiebert

Der nachgewachsene Kopf dieses Schnurwurms (Tubulanus sexlineatus) zeichnet sich noch deutlich durch seine hellere Färbung vom Restkörper ab.
Copyright: Terra C. Hiebert

College Park (USA) – Biologen haben mindestens vier Arten von marinen Schnurwürmern identifiziert, die unabhängig voneinander die Fähigkeit entwickelt haben, ihren vollständigen Kopf nach dessen Amputation nachwachsen zu lassen. Das erstaunliche an der Entdeckung: Evolutionshistorisch betrachtet, ist diese Eigenschaft noch vergleichsweise jung.

Tatsächlich ist die Regeneration verlorener Körperteile im Tierreich zwar selten aber nicht unbekannt und einige Arten sind darin sogar wahre Meister (…GreWi berichtete, siehe Links). So gibt es sogar eine Schnurwurm-Art, die den ganzen Körper aus nur einem kleinsten Zellrest heraus vollständig regenerieren kann. Bislang galt diese Fähigkeit jedoch als ein Überbleibsel aus Urzeiten und nicht als spätere Entwicklung der Evolution, die den meisten Arten im Laufe ihrer Entwicklung verlorenging.

In ihrer aktuell im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B“ (DOI: 10.1098/rspb.2018.2524) veröffentlichten Studie zeigen Biologen um Dr. Alexandra Bely von der University of Maryland nun jedoch, dass diese bisherige Annahme offenbar nicht stimmt.

Bei der Untersuchung von 35 bekannten Arten von im Wasser lebenden Schnurwürmern, entdeckten sie die Fähigkeit sogar einen amputierten Kopf nachwachsen zu lassen, bei mindesten vier unterschiedlichen Arten. „Das bedeutet aber, dass wir im Vergleich davon ausgehen können, dass diese Fähigkeit eine einst allen Schnurwürmern eigene Fähigkeit darstellt“, erläutert Bely. „Umso mehr müssen wir auch Sorgfalt walten lassen, wenn es um die Einschätzung der Regenerationsfähigkeit im Vergleich gänzlich unterschiedlicher Tierarten geht.“

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Tatsächlich besitzen alle Tierarten die mehr oder weniger ausgeprägte Fähigkeit zur Zell- und Gewebegeneration. In Form von Knochen- und Wundheilung auch wir Menschen. Doch bislang konnten Wissenschaftler beobachten, dass die Ausprägung dieser Fähigkeit bei unterschiedlichen Arten umso stärker ausfällt, je weiter die evolutionäre Trennung dieser Arten voneinander bzw. von uns Menschen zurückliegt. Auch kann beobachtet werden, dass die Fähigkeit zur Regeneration mit zunehmender Komplexität einer Art abnimmt.

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Aus dem Schluss der Analyse, dass der Urahn aller Schnurwürmer selbst nicht die Fähigkeit zur Regeneration hatte, leiten die Forscher nun die Schlussfolgerung ab, dass sich die nun entdeckte Regenerationsfähigkeit der vier Arten auch erst später entwickelt haben muss. In Falle einer regenerierenden Art liege dieser Evolutionsschritt sogar nur 10 bis 15 Millionen Jahre zurück – aus evolutionärer Sicht betrachtet also in jüngster Zeit, wenn man bedenkt, dass Schnurwürmer vermutlich erstmals schon vor rund 500 Millionen Jahren auftraten.

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