Forscher entdecken Zähl-Neuronen im Gehirn von Krähen

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Eine Krähe im Tübinger Zähl-Test.
Copyright: Andreas Nieder

Tübingen (Deutschland) – Im Endhirn von Krähen haben Forscher sogenannte Zähl-Neuronen entdeckt, die auf die Lieblingszahlen der Tiere reagieren, wenn diese etwa die Anzahl von Punkten auf einem Bildschirm erkennen. Die Entdeckung erlaubt auch neue Einblicke in die biologischen Wurzeln des Zählvermögens.

Bereits zahlreiche Märchen und Fabeln berichten davon, dass Krähen und andere Rabenvögel zählen können, etwa wenn es heißt, dass Krähen, die drei Jäger in einer Scheune verschwinden sehen, erst wieder auf dem angrenzenden Feld Saatgut fressen, wenn alle drei Jäger wieder gegangen sind – auch wenn sie die Scheune einzeln verlassen. Helen Ditz und Professor Andreas Nieder vom Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen haben nun die hirnphysiologische Grundlage dieses Zählvermögens der Vögel entdeckt.

Wie die Forscher aktuell im Fachjournal “Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America” (PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1504245112) berichten, liefert die Entdeckung wichtige Einsichten in die biologischen Wurzeln des Zählvermögens.

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Nachdem die Wissenschaftler Krähen zuvor trainiert hatten, Anzahlen anhand von auf einem Bildschirm dargestellten Punkten zu unterscheiden (s.Abb.), leiteten sie während dieser Verhaltensaufgabe die Antworten einzelner Nervenzellen in einem Assoziationsareal des Krähenendhirns ab. “Diese Hirnregion erhält auch Informationen aus dem Sehsystem. Die Nervenzellen ignorierten die veränderliche Größe, Form oder Anordnung der Punkte und signalisierten nur ihre Anzahl. Jede Zelle antwortete am stärksten auf ihre jeweilige Lieblingszahl”, erläutert die Pressemitteilung der Universität.

“Wenn eine Krähe drei Punkte, Körner oder auch Jäger sieht, erkennen einzelne Nervenzellen die ‘Dreiheit’ der Objekte”, erklärt Helen Ditz. “Diese Entdeckung zeigt, dass die Fähigkeit, mit abstrakter Zahleninformation umzugehen, auf einzelne Nervenzellen im Krähengehirn zurückgeht.”

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Noch interessanter werden die Ergebnisse im Hinblick auf den langen Evolutionszeitraum, der uns Menschen von den Vögeln trennt. Als Folge davon sind die Endhirne von Vogel und Mensch sehr verschieden aufgebaut. “Überraschenderweise finden wir bei Krähen die gleiche Art der Zahlenrepräsentation, wie wir sie zuvor im Primatengehirn beschrieben haben”, ergänzt Andreas Nieder. “Es scheint, als hätten Rabenvögel und Primaten trotz ihres unabhängig und verschieden entwickelten Endhirns die gleiche Lösung gefunden, Anzahlen zu verarbeiten.” Letzten Endes hätten selbst unsere höchsten Geistesfähigkeiten biologische Wurzeln.

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