Sonar zeigt großes Signal im Loch Ness

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Das am 30. September 2020 in rund 170 Metern Tiefe im Loch Ness geortetet Sonarecho. Copyright/Quelle: Ronald Mackenzie / CruiseLochNess.com

Das am 30. September 2020 in rund 170 Metern Tiefe im Loch Ness geortete Sonarecho.
Copyright/Quelle: Ronald Mackenzie / CruiseLochNess.com

Fort Augustus (Großbritannien) – Neben den unzähligen Sichtungen eines ungewöhnlich großen Wesens – eines “Ungeheuers“ – im Loch Ness gehören immer wieder auch Aufzeichungen von Sonar-Instrumenten an Bord von Booten auf dem See zu den anschaulichen Indizien für die Existenz von „Nessie“. Die jüngste Sonar-Auufnahme gelang dem Skipper eines Ausflugsbootes erst vor wenigen Tagen. Doch was zeigt das rätselhafte Sonarsignal in rund 170 Metern Tiefe?

Wie CruiseLochNess.com zunächst via Facebook berichtete, konnte das Standbild des Sonars am Nachmittag des 30. September 2020 während einer der von “Cruise Loch Ness” angebotenen Ausflugsfahrten mit dem Katamaran „Spirit of Loch Ness“ unter Ronald Mackenzie auf dem Loch Ness.

„Wir waren etwa auf halber Strecke unserer Tour kurz vor Invermiriston, wo wir immer umkehren“, berichtet Mackenzie (s. Abb. l.) auch auf Anfrage von Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi). „Der See ist hier 198 Meter tief und unsere 12 Gäste waren gerade ganz aufgeregt, weil wir kurz zuvor einen Seeadler gesehen hatten. Dann aber, sah ich auf dem Sonarbildschirm etwas, was unsere Aufmerksamkeit noch mehr auf sich zog.“

Laut dem Skipper kam das Signal mitten aus dem See, aus seiner Tiefe von 170 Metern (558ft). „Weil wir selbst mit einer Geschwindigkeit von 10,7 Knoten unterwegs waren, kann ich nicht sagen, ob sich auch dieses Objekt bewegt hatte, oder ob es still stand. Auf jeden Fall war es ganz schön groß – mindestens 10 Meter.“ Der Kontakt mit dem das Signal abgebenden „Objekt“ dauerte zwar nur wenige Sekunden, aber Mackenzie, der selbst bereits mehr als 30 Jahre Bootserfahrung auf dem See hat, ist sich sicher, dass er etwas Vergleichbares noch nie zuvor auf Sonar gesehen hatte: „Unser Schiff ist neu und das Sonar ist neuste Technik. Da unten war auf jeden Fall etwas. Das Instrument lügt nicht – es kann nicht lügen und zeigt, was vorhanden ist. Was es war, kann ich nicht sagen. Aber es war groß.“

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Auch der von der Lokalzeitung „The Northern Times“ zitiert Sonar-Experte Craig Wallace beschreibt die Aufnahmen selbst als „100 Prozent echt“ und führt dazu weiter aus: „Es ist keine Frage, dass wir hier einen realen, klaren und deutlichen Kontakt sehen.“ Wallace selbst glaubt, es könne sich um einen ungewöhnlich großen Stör oder aber auch um einen Fischschwarm handeln.

Das am 30. September 2020 in rund 170 Metern Tiefe im Loch Ness geortetet Sonarecho. Copyright/Quelle: Ronald Mackenzie / CruiseLochNess.com

Das am 30. September 2020 in rund 170 Metern Tiefe im Loch Ness geortetet Sonarechos.
Copyright/Quelle: Ronald Mackenzie / CruiseLochNess.com

Letztere Vermutung könnte tatsächlich eine Option sein, obschon weitere Experten daran zweifeln. So zitiert der Wissenschaftsautor und Kryptozoologe Max Hawthorne mit Capt. Bill Hallam, einen Experten für entsprechende Sonaraufnahmen mit 57 Jahren Berufserfahrung, in seiner Analyse der aktuellen Aufnahme wie folgt: „Der blaue Bogen spricht eindeutig für den Körper eines Tieres. Genauso zeichnen sich für gewöhnlich Fische ab. Wenn aber die Tiefe von etwa (170)189 Metern stimmt, so muss das schon ein recht großes Tier sein. Groß genug, um das zu erklären, was Menschen immer wieder im Loch Ness gesehen haben wollen. Wir haben hier also ein Signal in rund 189 Meter Tiefe. Ein Signal, das dem von Fischen gleicht. Fische erzeugen ein in der Mitte breites und an beiden Enden zulaufendes Sonarecho. Das dicke Mittelstück ist das Ergebnis von Gasen im Bauch der Fische, die ein stärkeres Signal erzeugen als die Muskeln. Ich denke, dass wir hier ein Tier sehen – einen Fisch oder ein Säugetier.“

eine weitere Detailvergrößerung des Sonarechos. Copyright/Quelle: Ronald Mackenzie / CruiseLochNess.com

Eine weitere Detailvergrößerung des Sonarechos. Copyright/Quelle: Ronald Mackenzie / CruiseLochNess.com

Zugleich widerspricht Hallam der Idee, es könnte sich um einen Schwarm kleinerer bekannter Fosche oder um einen ungewöhnlich großen Aal handeln, wie er auch von einer eDNA-Analyse im vergangenen Jahr nicht ausgeschlossen werden konnte (…GreWi berichtete 1, 2). „Die Form des Signals entspricht aber nicht dem von Aalen, weil wir hier einen zentralen Magen abgebildet sehen.” Die langen hellen kleinen Streifen oberhalb des rechten Endes des Signals halten Hallam und Hawthorne für die Signale von kleineren Beutefischen des großen Tieres. „Forellen im Loch Ness ernähren sich von solchen kleineren Fischen. Vielleicht also auch dieses große Tier?“ Die beiden Experten selbst vermuten, dass wir hier ein Raubtier sehen, das eigentlich aus dem Meer stammt und selbst nur ab und zu in den Loch Ness kommt, etwa zur Jagd, zur Paarung oder Geburt seiner Jungen. „Das wäre durchaus möglich. Im Loch Ness gibt es genügend Nahrung für ein Tier, das vielleicht kommt und geht.“ In diesem fall könnte es sich um einen Sechskiemenhai oder einen Stör handeln. Letztere erreichen allerdings nur Größen von 7 Metern. Die Merkmale des Echos deuten hier aber auf ein Tier von mindestens 10 Metern Länge hin – wenn es tatsächlich ein Tier ist.

Hintergrund


Schon im oktober 1987 offenbarte das von Adrian Shine geleitete Projekt “Deepscan” o insgesamt drei, bis heute ungeklärte Sonarortungen großer, sich bewegender “Objekte” in für bekannte Lebewesen ungewöhnlichen Tiefen im Loch Ness.

Copyright/Quelle: Loch Ness Project / Adrian Shine, “Zum Verständnis des Loch Ness”

Offiziell hat die letztjährige eDNA-Analyse allerdings auch Haie als Erklärung für Nessie ausgeschlossen (…GreWi berichtete), um dann in einem späteren exklusiven Interview mit GreWi allerdings anzuerkennen, dass die Studie größere und für den Loch Ness sogar eigentlich exotische Tiere auch übersehen haben könnte (…GreWi berichtete).

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Somit wäre die Frage danach, was Nessie sein könnte, weiterhin offen. Die aktuelle Sonaraufnahme ist zwar noch kein Beweis für ein großes „Ungeheuer“, dafür aber für ein immer noch und weiterhin offenes Rätsel im Loch Ness.




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Quelle: CruiseLochNess.com, eigene Recherchen GreWi, The Northern Times

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