Kontroverse um lebensfreundliche Bedingungen im TRAPPIST-1-System


Künstlerischer Blick auf das TRAPPIST-1-System (Illu.)

Copyright: ESO

Budapest (Ungarn) – Seit der Entdeckung von sieben erdgroßen Planeten, die den gerade einmal 40 Lichtjahre entfernten Zwergplaneten TRAPPIST-1 umkreisen und von denen mindestens vier sogar fließende Oberflächengewässer beherbergen könnten (…GreWi berichtete), spekulieren Wissenschaftler auch darüber, ob es auf den TRAPPIST-1-Planeten auch Leben geben könnte. Eine aktuelle Studie ungarischer Astronomen zeichnet nun allerdings ein eher düsteres Bild von der potentiellen Lebensfreundlichkeit im TRAPPIST-1-System – die Planetenentdecker selbst widersprechen.

Wie das Team um Krisztián Vida vom Konkoly Observatorium in Budapest vorab auf ArXiv.org und in einer kommenden Ausgabe des “Astrophysical Journal” berichten, haben sie die Rohdaten der Beobachtungen von TRAPPIST-1 mit dem NASA-Weltraumteleskop “Kepler” analysiert, um die Stärke und Frequenz der Aktivität des Sterns zu bestimmen.

Das Ergebnis: Alleine während 80 Tagen zählten die Astronomen gleich 42 sogenannter Flares – also Sonnen- bzw. Sternausbrüche auf TRAPIST-1, von denen einige hinzu wahrscheinlich in komplexen Kaskaden mehrerer Ausbrüche, einhergehend mit koronalen Masseauswürfen in das den Stern umgebende Planetensystem.

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Die Stärke dieser Flares habe dabei teilweise Ausmaße erreicht, wie sie die Forscher mit erdgerichteten Sonneneruptionen vergleichen, die etwa 1859 Telegrafen-Leitungen durchbrennen ließen oder 1989 in Kanada mehr als sechs Millionen Menschen für mehr stundenlang vom Stromnetzwerk abschnitten.

Die wesentliche größere Nähe, mit der die TRAPPIST-1-Planeten im Vergleich zur Erde ihren Stern umkreisen, vermuten die Astronomen, dass sich entsprechende Eruptionen des Zentralgestirns wesentlich schwerwiegendere Auswirkungen auf die Planeten im System haben und potentiell vorhandene Atmosphären empfindsam und auf tausende von Jahre hinaus empfindsam ge- oder sogar gänzlich zerstört werden.

Den einzigen Schutz sehen die Autoren der Studie in planetaren Magnetfeldern, deren Stärke die des irdischen Magnetfeldes um das 100- bis 1000-Fache übersteigen müssten.

Vor diesem Hintergrund bewerten Vida und Kollegen die Wahrscheinlichkeit für Leben auf den TRAPPIST-1-Planeten als eher unwahrscheinlich.

Dieser Einschätzung folgen die Entdecker der Planeten um Michaël Gillon vom STAR-Institute der belgischen Université Liège allerdings nicht, denn auch sie hatten die ersten Kepler-Rohdaten ausgewertet und keine Hinweise auf besonders starke Flares gefunden.

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