Archäologen finden Palast an angeblichem Geburtsort von König Artus

Lesezeit: ca. 3 Minuten

03085
Die heutigen Überreste von Tintagel Castle

Copyright: gemeinfrei

Tintagel (Großbritannien) – Bei archäologischen Grabungen auf der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Burg Tintagel Castle, dem angeblichen Geburtsort des sagenumwobenen König Artus, haben britische Archäologen Ruinen freigelegt, die sie als Überreste eines “königlichen Palasts” deuten. Ob und in welcher Form der Fund tatsächlich mit der Artus-Sage in Verbindung gebracht werden kann, ist derzeit noch Spekulation.

Wie das Team um Jacky Nowakowski der Cornwall Archaeological Unit (CAU) berichtet, datieren die Forscher den Fund ins 6. Jahrhundert n.Chr. – und damit genau in jene Zeit, zu der der legendäre erste “König der Briten” gelebt haben soll.

Geschützt durch etwa ein Meter dicke Mauern, habe der Palast wahrscheinlich die damaligen Herrscher des südwestlichen keltischen Königreichs von Dumnonia beherbergt.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen GreWi-Newsletter bestellen +

Die Grundlage für die Schlussfolgerung, dass es sich um das Wohnhaus der einstigen königlichen Familie handelt, sind über 150 Fragmente und Artefakte aus Ton und Glasware, die teilweise exotischer Herkunft sind. So finden sich unter den Funden eine spätrömische Amphore, Bruchstücke aus feinstem Glas, Töpferware aus Phokaia und zahlreiche Bruchstücke zeitgenössischen feinsten Gedecks.

Zum Thema

Für die Forscher ermöglichen die Funde wichtige Einblicke auf eine der Kernfragen zur Geschichte Tintagels und der Historie Cornwalls: “Die Entdeckung der Behausung derart hochrangiger Persönlichkeiten – möglicherweise sogar eines königlichen Palasts – verändert unsere bisherigen Vorstellungen von diesem Ort grundlegend”, so der Grabungsleiter gegenüber der britischen Tageszeitung “The Telegraph“.

03089
Blick auf den Grabunsgort.
Coypright: Emily Whitfield-Wicks

Während die erste Form der Geschichten um König Artus erstmals durch Schriften des Mönchs Gildas im 6. Jahrhundert Verbreitung fand und erst Jahrhunderte später zur heute immer noch bekannten Artus-Sage ausgeschmückt wurde, wurde dieser schon im späteren 9. Jahrhundert wird er – etwa in der Historia Brittonum („Geschichte der Briten“) als ein britischer Heerführer der Zeit um 500 n. Chr. erwähnt.

03086
Illustration einer Schlüsselszene der Artus-Sage aus einem Kinderbuch von 1906.

Copyright/Quelle: gemeinfrei / Internet Archive Book Images

Glaubt man den Legenden, so war der spätere König Artus der Enkel des einstigen Hochkönigs Ambrosius Aurelianus, Sohn des Königs Uther Pendragon und dessen Frau Igraine. Er wurde zwar noch auf Tintagel geboren, dann jedoch von dem Zauberer Merlin in dessen Obhut genommen und von dem Ritter Ector unter dem Namen Artus er- und großgezogen.

Weitere Grabungen im kommenden Jahr sollen nun weitere Aufschlüsse über die historischen Hintergründe der Entdeckung liefern. Ob die Funde in Verbindung zur Artus-Sage stehen, ist bislang noch unklar. Schon jetzt aber belegen sie, dass Tintagel – so wie es die Artus-Sage berichtet – schon in nach-römischer Zeit offenbar Sitz hochrangiger lokaler Herrscher war.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Jesus, Artus und Avalon – Studie findet keine archäologischen Grundlagen für Glastonbury-Legenden 26. November 2015
König Artus’ Tafelrunde entdeckt? 30. August 2011
Historiker wollen König Arthurs Camelot und Tafelrunde gefunden haben 12. Juli 2010

© grenzwissenschaft-aktuell.de