„Alien-Theologe“ Paul Thigpen gestorben
Savanah (USA) – Im Alter von 71 Jahren ist am vergangenen Dienstag der US-amerikanische Theologe und Bestsellerautor Paul Thigpen verstorben. Thigpen galt in katholischen Kreisen als profilierter Publizist und Apologet, machte sich darüber hinaus jedoch auch durch seine ungewöhnliche Auseinandersetzung mit der Frage nach außerirdischer Intelligenz einen Namen.

Copyright/Quelle: Thigpen / tanbooks.com
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Die Nachricht von seinem Tod wurde unter anderem vom Verlag TAN Books bestätigt, der zahlreiche seiner Werke veröffentlichte. Paul Thigpen wurde am 18. Mai 1954 geboren und wuchs presbyterianisch auf. Zeitweise bezeichnete er sich selbst als Atheist, bevor er zum christlichen Glauben zurückkehrte. Später erwarb er einen Bachelor in Religionswissenschaften an der Yale University sowie Master- und Doktorgrade in historischer Theologie an der Emory University.
Vom Atheismus zum Katholizismus
Zunächst wirkte Thigpen als protestantischer Pastor, konvertierte jedoch 1993 zum Katholizismus. Rückblickend schilderte er, dass ihn eigene Erfahrungen mit – wie er es nannte – „bösartigen nichtmenschlichen Intelligenzen“ während seiner atheistischen Phase wieder zur Bibel und schließlich zum Glauben geführt hätten. Diese persönliche Wende prägte sein späteres theologisches Werk maßgeblich.
Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte Thigpen Dutzende Bücher zu Themen der katholischen Spiritualität. Zu seinen bekanntesten Werken zählen das „Manual for Spiritual Warfare“, „A Year With the Saints“, „Saints Who Saw Hell“ aber auch mehrere Kinderbücher. Sein „Manual“ (Anleitung) versteht sich als praktischer Leitfaden zur geistlichen Auseinandersetzung im christlichen Sinne und fand in konservativen katholischen Kreisen weite Verbreitung.
Offene Haltung zur Frage außerirdischer Intelligenz
Besondere Aufmerksamkeit auch außerhalb kirchlicher Milieus erhielt Thigpen durch sein Buch „Extraterrestrial Intelligence and the Catholic Faith: Are We Alone in the Universe with God and the Angels?“. Darin untersuchte er systematisch, wie sich die Möglichkeit außerirdischen intelligenten Lebens mit der katholischen Theologie vereinbaren ließe.
Thigpen betonte wiederholt, die Debatte über außerirdisches Leben reiche innerhalb der christlichen Tradition mindestens 26 Jahrhunderte zurück. Kirchenväter, Theologen, Philosophen und sogar Heilige hätten sich mit der Frage anderer Welten beschäftigt.
Seine zentrale These lautete, dass die katholische Kirche die Möglichkeit außerirdischer Intelligenz prinzipiell offenlasse. Wissenschaftler und Theologen könnten daher frei untersuchen, ob intelligentes Leben jenseits der Erde existiere – ohne notwendigerweise in Konflikt mit der kirchlichen Lehre zu geraten. Diese Position bewegt sich im Einklang mit moderaten vatikanischen Stimmen der vergangenen Jahrzehnte, die ebenfalls keine dogmatische Ablehnung außerirdischen Lebens formulierten.
Grenzgänger zwischen Theologie und Anomalistik
Aus grenzwissenschaftlicher Perspektive bleibt Thigpen vor allem als einer der wenigen systematischen Brückenbauer zwischen katholischer Theologie und der Frage nach außerirdischem Leben in Erinnerung. Während er selbst keine spektakulären Behauptungen über UFOs oder außerirdische Besucher aufstellte, plädierte er konsequent für eine theologisch informierte Offenheit gegenüber neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Für die „SOL Foundation“, die sich mit den wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Implikationen von UAP (Unidentified Anomalous Phenomena) beschäftigt, verfasste Thigpen im Sommer 2024 ein Whitepaper zu „NHI, UAP, and the Catholic Faith How Will the Church Respond?“ (Nicht-menshcliche Intelligenz, UAP und der katholische Glaube. Wie wird die Kirche Reagieren?).
Mit seinem Tod verliert die Debatte um Religion und mögliche nichtmenschliche Intelligenz eine Stimme, die versuchte, Glauben, Philosophie und naturwissenschaftliche Neugier in einen gemeinsamen Diskurs zu bringen.
Quellen: Tan Books, eigenen Recherche grewi.de
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