Studie zu Wiedergeburt: Beeinflussen Erinnerungen an frühere Leben die psychische Gesundheit?
Juiz de Fora (Brasilien) – Immer wieder erleben Menschen Erinnerungen an etwas, das sie für ein früheres Leben halten. In einer aktuellen Studie wurden nun die Profile von Erwachsenen analysiert, die solche „Erinnerungen an frühere Leben“ zu haben und haben diese auf mögliche Zusammenhänge mit psychischer Gesundheit, Glück und Religiosität/Spiritualität untersucht.

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Wie das Team um Sandra Maciel de Carvalho von der brasilianischen Federal Universidade Federal de Juiz de Fora in der Juli-Ausgabe des „The International Journal for the Psychology of Religion“ (DOI: 10.1080/10508619.2025.2521573) berichten, widmeten sie sich weniger der Frage nach der Realität sogenannter Past Life Memories (PLM), sondern mit deren psychologischen Auswirkungen. Die Ergebnisse zeigen „eine hohe Häufigkeit von Symptomen psychischer Störungen, wobei Religiosität und Spiritualität Schutzfaktoren darstellten“.
Weltweiter interreligiöser Glaube an Leben nach dem Tod
Die meisten religiösen und spirituellen Traditionen weltweit teilen den Glauben an ein transzendentes Reich und/oder die Fortdauer des Lebens nach dem physischen Tod und Reinkarnation. Dieser Glaube ist unter der erwachsenen Bevölkerung von 35 Ländern auf sechs Kontinenten verbreitet, mit Anteilen von 38 % in Schweden bis 85 % in Indonesien.
Eine kürzlich durchgeführte Umfrage, die national repräsentative Stichproben in 22 Ländern auf allen Kontinenten einbezog, kam zu dem Schluss, dass es kein Land gibt, in dem die Mehrheit der Bevölkerung angab, nicht an ein Leben nach dem Tod zu glauben. Die Mehrheit antwortete auf diese Frage mit „Ja“ oder „Unsicher“. (Quelle: Bial Foundation)
PLM bei erwachsenen wenig erforscht
Während es Studien zu Berichten über Erinnerungen an frühere Leben bei Kindern gibt, ist noch wenig über Fälle bei Erwachsenen und deren Auswirkungen auf die Betroffenen bekannt. Um diese Lücke zu schließen, analysierten Maciel de Carvalho und ihr Team das Profil von Erwachsenen, die angeben, PLM zu haben. Dabei bezogen die Forschenden auch soziodemografische Daten, Merkmale dieser Erinnerungen sowie deren Zusammenhang mit psychischer Gesundheit, Glück und Religiosität/Spiritualität mit ein.
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Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der University of Virginia führte das Team zunächst eine Online-Umfrage unter einer Stichprobe von 402 Erwachsenen in Brasilien durch, die angaben, Erinnerungen an frühere Leben zu haben. In Brasilien glauben 66 Prozent der Bevölkerung an ein Leben nach dem Tod gibt. 33 Prozent glauben, dass Menschen in dieser Welt wiedergeboren werden.
Umfrage in Brasilien
Die meisten Teilnehmer der Stichprobe waren im mittleren Alter (41,6 Jahre), weiblich (79 %), hatten eine höhere Ausbildung (68 %), waren Spiritisten (54,5 %) und sehr oder mäßig spirituell (91 %). PLM begannen bei 82 % spontan, im Durchschnitt im Alter von 19,9 Jahren. 54 % berichteten von auffälligen Geburtsmalen oder -fehlern, 30 % von ungewöhnlichen und intensiven Neigungen oder Interessen (Philien); 71 % von Phobien in der Kindheit und ebenso 71 % von anhaltenden Phobien (71 %).
Die Ergebnisse der veröffentlichten Studie zeigen, dass die PLM-Merkmale bei den Teilnehmern der Stichprobe denen ähneln, die üblicherweise bei Kindern berichtet werden, mit Ausnahme der höheren Häufigkeit bei Frauen.
In dieser Stichprobe waren kindliche Philien und Phobien mit geringerem Glück und mehr Symptomen psychischer Störungen (46 %) verbunden, was auf einen anhaltenden psychologischen Einfluss im Zusammenhang mit PLM hinweisen könnte. Posttraumatische Belastungsstörung (36 %) stand im Zusammenhang mit Phobien. Religion/Spiritualität war mit größerem Glück und weniger psychischen Störungen assoziiert und könnte somit als Schutzfaktor wirken.
PLM und psychische Gesundheit
Laut Maciel de Carvalho „zeigt diese Studie, dass PLM bei Erwachsenen häufiger vorkommen können als bisher angenommen und zugleich aber auch mit erheblichem Leiden und Belastung verbunden sein können“. PLM könnten ein „relevantes Thema für die psychische Gesundheit darstellen, und es sind weitere Studien zu ihrer Häufigkeit, ihren Auswirkungen und einer angemessenen klinischen Behandlung erforderlich“, betont die Forscherin.
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Recherchequelle: Bial Foundation
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