Treibstoffloser Raumantrieb? Untersuchungen zur Wirksamkeit des EmDrive sollen im Februar 2021 präsentiert werden

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Illustration des einst von Roger Shawyer entwickelten Prototyps des EmDrive (Illu.) Copyright: Elvis Popovic

Illustration des einst von Roger Shawyer entwickelten Prototyps des EmDrive (Illu.)
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Saarbrücken (Deutschland) – Lange Zeit wurden Antriebe, die angeblich ohne klassische Treibstoffe auskommen, von Wissenschaftlern ins Reich der Science-Fiction verbannt. Seit einigen Jahren untersuchen jedoch einige Wissenschaftler und selbst die NASA derart alternative Antriebe, die von anderen als „unmöglich“ bezeichnet werden. Neben der US-Raumfahrtbehörde untersuchen auch Physiker der Technischen Universität Dresden u.a. die Behauptungen zum sogenannten EmDrive und wollen ihre Abschlussergebnisse nun im kommenden Frühjahr veröffentlichen.

Noch im Frühjahr 2015 überschlugen sich die Fachmeldungen darüber, dass die Dresdner Wissenschaftler um Prof. Dr. Martin Tajmar vom Institut für Luft- und Raumfahrttechnik an der TU Dresden angeblich die Unwirksamkeit der dem EmDrive zugeschriebenen Schubentwicklung nachgewiesen hätten – obwohl die Untersuchungen damals noch gar nicht abgeschlossen waren.

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Gegenüber Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) stellte Prof. Tajmar damals aber ausführlich klar, dass entsprechende Lesarten der damals veröffentlichen Vorabergebnisse, laut derer der EmDrive also „nicht funktioniere“, nicht richtig, bzw. die Schlussfolgerung damals absolut verfrüht waren: „Um unsere bisherigen Beobachtungen zu untermauern, werden wir das komplette Triebwerk magnetisch abschirmen und auch die Leistung auf ein ähnliches Level wie die NASA bringen. Zusätzlich werden wir mehrere Geometrien und Frequenzbereiche vermessen. Das wird noch ein Jahr dauern. Danach sollte feststehen, ob der EmDrive funktioniert oder nicht. Unsere Arbeit ist bis jetzt ‚work-in-progress‘.“

Hintergrund
Beim “EmDrive” (ElectroMagnetic Drive), handelt es sich um das Konzept des britischen Wissenschaftlers und ehemaligen EADS-Atrium-Ingenieurs Dr. Roger Shawyer, das elektrische Energie mittels Mikrowellen in Schubkraft umwandeln soll – ohne dabei allerdings ein klassisches Treibmittel zu benötigen.
Trotz der Behauptungen chinesischer Forscher, das Konzept bereits erfolgreich getestet zu haben, verbannen die meisten westlichen Wissenschaftler den “EmDrive” ins Reich der Phantasie und Pseudowissenschaft – da es schließlich dem physikalischen Impulserhaltungsgesetz widerspreche.

2014 hat jedoch selbst die NASA das Konzept überprüft und in einem Fachartikel ebenfalls bestätigt, dass der Antrieb “prinzipiell tatsächlich funktioniert” (…GreWi berichtete).

Da der “EmDrive” ohne Treibstoff auskommt und die notwendigen Mikrowellen mittels Solarenergie erzeugt werden können, könnte der Antrieb völlig neue Wege und Möglichkeiten der Raumfahrt aufzeigen, da das Konzept “eine (Antriebs-)Kraft erzeugt, die keinem klassischen elektromagnetischen Phänomen zugeschrieben werden könne“.

Der Antrieb bediene sich dabei möglicherweise subatomarer Teilchen, so die Vermutung der NASA-Wissenschaftler. Andere Forscher, wie auch der Erfinder des EmDrive selbst, vermuten hinter dem auf den ersten Blick an das Konzept eines Perpetuum mobile erinnernden Antrieb einen Effekt der speziellen Relativitätstheorie (SRT).

Bislang beläuft sich der angeblich gemessene Schub noch im Bereich von Mikronewton und damit tatsächlich derart gering, dass die beteiligten Wissenschaftler alles daran setzten, auch unvorhergesehene Effekte und Phänomene als falsche Schubmessung auszuschließen. Sollte sich die Schubentwicklung sozusagen aus dem Nichts jedoch bestätigen und der EmDrive auf Raumschiffproportionen vergrößert werden können, könnte – so zeigen sich Raumfahrtvisionäre zuversichtlich – etwa die Reise zum Rand unseres Sonnensystems auf wenige Monate im Vergleich zu den derzeit noch notwendigen Jahrzehnten reduziert werden.

Ursprünglich geplant war eine Publikation und Präsentation der Ergebnisse dieser Arbeit bereits im vergangenen August, unter anderem auf der für diesen Termin angesetzten Konferenz „Space Propulsion 2020“. Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurde diese, unter anderem von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und der Association Aéronautique et Astronautique de France (3AF) im portugiesischen Estoril organisierte Konferenz nun auf den 8.-12. Februar 2021 verschoben.

Wie Prof. Tajmar aktuell gegenüber Grenzwissenschaft-Aktuell.de bestätigte, ist geplant, dass einhergehend mit der Fachpublikation der Ergebnisse, diese auf der verspäteten „Space Propulsion 2020“ vorgestellt werden.




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Quelle: eigene Recherche Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi)

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