DNA-Spuren deuten auf weiterhin existierende Java-Tiger auf Java

Eines der letzten Fotos eines lebenden Java-Tigers in freier Wildahn, fotografiert 1938 von Andries Hoogerwerf im Ujung-Kulon-Nationalpark. Copyright: Gemeinfrei
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Eines der letzten Fotos eines lebenden Java-Tigers in freier Wildahn, fotografiert 1938 von Andries Hoogerwerf im Ujung-Kulon-Nationalpark.Copyright: Gemeinfrei

Eines der letzten Fotos eines lebenden Java-Tigers in freier Wildahn, fotografiert 1938 von Andries Hoogerwerf im Ujung-Kulon-Nationalpark.
Copyright: Gemeinfrei

Jakarta (Indonesien) – Seit Mitte der 1980-er Jahre gilt der sogenannte Java-Tiger auf der indonesischen Insel Java als ausgestorben bzw. ausgerottet. Dennoch kommt es immer wieder zu angeblichen Sichtungen des großen Jägers in freier Wildbahn. Nachdem diese Sichtungen aufgrund der dichten Besiedlung der Insel lange Zeit als Jägerlatein abgetan wurden, häufen sich die Hinweise auf eine weiterhin überlebende Population der großen Raubkatzen auf Java. Eine DNA-Analyse von Haarproben von 2019 weckt nun neue Hoffnung.

Wie Wissenschaftler der indonesischen Nationalen Forschungs- und Innovationsagentur (BRIN) in Zusammenarbeit mit Naturschützern aktuell in einer von „Cambridge University Press“ veröffentlichten Studie erläutern, wurde die Haarproben bereits 2019 in der Nähe eines Dorfes nahe der Stadt Sukabumi in West-Java zusammen mit Prankenabdrücken und Kratzspuren gefunden.

Das Ergebnis der Analyse: Obwohl die Probe Ähnlichkeiten mit Sumatra- und Bengal-Tigern aufwies, trug sie laut der Analyse charakteristische Merkmale, wie sie eindeutig dem Java-Tiger zuzuordnen sind.

Muhammad Ali Imron von WWF Indonesien betonte jedoch die Notwendigkeit weiterer Proben und genetischer Tests, um so die Ergebnisse zu validieren. Zugleich äußerte er Bedenken hinsichtlich potenzieller Risiken durch eine öffentliche Bekanntgabe der Ergebnisse, da diese auch Wilderer und Jäger anziehen könnten.

Hintergrund
Um 1900 lebten 28 Millionen Menschen auf der Insel. Die jährliche Reisproduktion reichte nicht aus, um die wachsende Bevölkerung angemessen zu versorgen, sodass innerhalb von 15 Jahren 150 % mehr Land für Reisanbau urbar gemacht wurde. 1938 waren noch 23 % der Insel mit natürlichem Wald bedeckt. 1975 betrug die Waldfläche weniger als 8 % und die Bevölkerung war auf 85 Millionen Menschen angewachsen.

Lokale Dorfbewohner mit einem erlegten Java-Tiger 1941.Copyright/Quelle: Collectie Wereldmuseum (v/h Tropenmuseum), part of the National Museum of World Cultures / CC BY-Sa 3.0

Lokale Dorfbewohner mit einem erlegten Java-Tiger 1941.
Copyright/Quelle: Collectie Wereldmuseum (v/h Tropenmuseum), part of the National Museum of World Cultures / CC BY-Sa 3.0

In dieser von Menschen und ihren Bedürfnissen dominierten Landschaft war die Ausrottung des Java-Tigers ein Prozess, der durch das Zusammenspiel mehrerer Umstände und Ereignisse intensiviert wurde:

– Tiger und ihre Beutetiere wurden in der Zeit vielerorts vergiftet, als ihr Lebensraum zunehmend reduziert wurde;

– Natürliche Forstbestände wurden nach dem Zweiten Weltkrieg unkontrolliert zerstückelt, um Land für Anpflanzungen von Teak, Kaffee und Kautschuk urbar zu machen, die Wildtieren keinen geeigneten Lebensraum mehr boten;

– Mähnenhirsche fielen in den 1960er-Jahren in vielen Schutzgebieten und Waldbeständen einer Krankheit zum Opfer;

– Während der politischen Unruhen nach 1965 zogen sich viele bewaffnete Gruppen in Schutzgebiete zurück, in denen danach keine Tiger mehr überlebten. (Quelle: Wikipedia)

Wie indonesische Medien berichten, planen lokale Naturschützer unter der Leitung von Satyawan Pudyatmoko, Leiter des Naturschutzes im Umwelt- und Forstministerium, nun proaktive Maßnahmen als Reaktion auf die Ergebnisse der Studie. Dazu gehören der Einsatz von Kamerafallen, die Hinzuziehung von weiteren Genetikexperten für weitere Forschungen und die Einbindung lokaler Gemeinschaften zur Sammlung wichtiger Daten.

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Die Entdeckung ist auch aus kryptozoologischer Sicht von Bedeutung, denn auch angesichts zahlreicher großer sog. Kryptiden wird deren Existenz immer wieder anhand Größe der Tiere, notwendiger Populationsgrößen und der dichten Besiedlung einer Region, in der Großkryptiden gesichtet werden, widersprochen.

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