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Parapsychologe Prof. Dieter Vaitl verstorben

Freiburg (Deutschland) – Mit Prof. Dr. Dieter Vaitl verliert die Parapsychologie und anomalistische Forschung nicht nur im deutschsprachigen Raum eine ihrer zentralen Figuren der vergangenen Jahrzehnte.

Dr. Dieter Vaitl (1940–2026).Copyright/Quelle: IGPP
Dr. Dieter Vaitl (1940–2026).
Copyright/Quelle: IGPP

Als Direktor sowie als Vorsitzender des Trägervereins des „Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene“ (IGPP) in Freiburg prägte Vaitl über rund zwanzig Jahre hinweg Ausrichtung, Selbstverständnis und öffentliche Wahrnehmung dieser in Europa einzigartigen Forschungseinrichtung maßgeblich.

Vaitl stand dabei in direkter personeller und inhaltlicher Tradition der Freiburger Parapsychologie, wie sie von Hans Bender, dem Gründer des IGPP, begründet worden war. Nach Johannes Mischo, der Benders Lehrstuhl und später die Institutsleitung übernommen hatte, wurde Vaitl im Jahr 2001 Direktor des IGPP und 2003 zusätzlich Vorsitzender des Vereinsvorstands. Zu diesem Zeitpunkt war er zugleich Lehrstuhlinhaber für Klinische und physiologische Psychologie an der Universität Gießen – eine Doppelrolle, die ihn über Jahre hinweg zum Pendeln zwischen Gießen und Freiburg zwang und die eine kollektive Institutsleitung vor Ort erforderlich machte.

Seine Verbindung zum IGPP reichte jedoch weit über diese formale Funktion hinaus. Bereits als Student war Vaitl von 1964 bis 1967 als wissenschaftliche Hilfskraft am damaligen Institutsstandort auf der Freiburger Eichhalde tätig. Diese frühe Phase fiel in eine Zeit intensiver experimenteller und feldnaher Forschung zur außersinnlichen Wahrnehmung und zu sogenannten Spukphänomenen. Vaitl nahm an Kartenexperimenten nach dem Vorbild von J. B. Rhine ebenso teil wie an Tonbandversuchen mit Konstantin Raudive. Auch direkte Begegnungen mit angeblich physikalischen Anomalien im Rahmen sogenannter Spukfälle gehörten zu seinen frühen Erfahrungen am Institut. Diese Zeit hinterließ bei ihm, wie aus späteren Briefen hervorgeht, einen bleibenden Eindruck – sowohl wissenschaftlich als auch persönlich.

Als Institutsleiter übernahm Vaitl das IGPP in einer Phase vergleichsweise komfortabler finanzieller Ausstattung. Kurz darauf jedoch sah sich das Institut mit drastisch reduzierten Zuwendungen der Holler-Stiftung konfrontiert. Die folgenden Jahre waren geprägt von Sparmaßnahmen, strukturellen Einschnitten und internen wie externen Debatten über die Zukunft des Instituts. Rückblickend wird deutlich, dass Vaitl das IGPP in dieser schwierigen Phase mit strategischer Umsicht und langfristigem Blick führte. Trotz begrenzter Mittel gelang es ihm, den wissenschaftlichen Betrieb aufrechtzuerhalten und die thematische Breite des Instituts zu sichern.

Inhaltlich setzte Vaitl auf eine konsequent interdisziplinäre Anomalistik, die psychologische, soziologische, kulturwissenschaftliche und naturwissenschaftliche Perspektiven miteinander verband. Diese Ausrichtung spiegelt sich auch in den von ihm herausgegebenen Sammelbänden wider. Besonders hervorzuheben sind der 2015 erschienene Band „An den Grenzen der Erkenntnis – Handbuch der wissenschaftlichen Anomalistik“ sowie der 2020 veröffentlichte Forschungsband „An den Grenzen unseres Wissens – Von der Faszination des Paranormalen“, der die Institutsarbeit der zwei vorangegangenen Jahrzehnte zusammenfasst. Beide Werke gelten als Referenzpunkte für eine nüchterne, empirisch orientierte Auseinandersetzung mit außergewöhnlichen Erfahrungen und Phänomenen. Mit dem 2021 gemeinsam mit Andreas Fischer herausgegebenen Band „SPUK“ knüpfte Vaitl zudem bewusst an die historischen Spukuntersuchungen Hans Benders an und schlug eine Brücke zwischen dokumentarischer Tradition und moderner Forschungsperspektive.

Kolleginnen und Kollegen beschrieben Vaitl als humorvollen, zugleich klar denkenden Wissenschaftler, der akademische Distanz und persönliche Zugewandtheit zu verbinden wusste. Seine berühmte scherzhafte Frage an Nachwuchswissenschaftler, ob sie „die Weltformel schon entdeckt“ hätten, brachte seine Haltung zur Forschung auf den Punkt: intellektuell anspruchsvoll, aber frei von Pathos.

Bis zu seinem Tod blieb Dieter Vaitl dem IGPP eng verbunden. Als Vorstandsvorsitzender begleitete er die Geschicke des Instituts auch nach seinem Rückzug aus der operativen Leitung und setzte sich bis zuletzt für dessen Zukunft ein. Mit ihm endet ein Kapitel der Freiburger Grenzgebietsforschung, das durch wissenschaftliche Strenge, institutionelle Kontinuität und die beharrliche Suche nach Erkenntnis an den Rändern des Etablierten geprägt war.

Quelle: IGPP

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist
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Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

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