Anzeige
Anzeige
Anzeige

Uralte Flusssysteme belegen: Der Mars war einst deutlich feuchter als gedacht

Durham (Großbritannien) – Die Entdeckung von über 15.000 Kilometern urzeitlichen Flussbetten auf dem Mars legt nahe, dass der Rote Planet einst deutlich feuchter war, als bislang angenommen. Diese Erkenntnisse stellen bestehende Theorien infrage, denen zufolge der Mars generell kalt und trocken war – mit wenigen Tälern, die sich nur in kurzen, wärmeren Phasen durch das Schmelzen von Eisschilden gebildet haben sollen.

Draufsicht auf einen abgeflachten, stark erodierten fluvialen mäandernden Rückens (FSR), der von Wanderdünen überzogen ist.Copyright: NASA/JPL/University of Arizona
Draufsicht auf einen abgeflachten, stark erodierten fluvialen mäandernden Rückens (FSR), der von Wanderdünen überzogen ist.
Copyright: NASA/JPL/University of Arizona

Wie das Team um den Doktoranden Adam Losekoot von der Londoner Open University aktuell auf dem National Astronomy Meeting 2025″ der Royal Astronomical Society in Durham berichten, untersuchten sie sogenannte fluviale mäandernde Rücken (engl. fluvial sinuous ridges, FSRs), auch bekannt als invertierte Kanäle, in der Region Noachis Terra im südlichen Hochland des Mars. Für die Untersuchung nutzte das Forschungsteam Daten von drei Orbitalinstrumenten: der Context Camera (CTX), dem Mars Orbiter Laser Altimeter (MOLA) und dem High Resolution Imaging Science Experiment (HiRISE). Diese Datensätze ermöglichten es, die Positionen, Längen und Morphologien der Rücken über ein großes Gebiet hinweg zu kartieren.

Anzeige

Hinterlassenschaften urzeitlicher Flussbetten

Allgemein wird angenommen, dass sich solche Strukturen bildeten, als von Flüssen abgelagerte Sedimente verfestigt wurden und später durch Erosion des umliegenden Materials freigelegt wurden. Ähnliche Rücken wurden bereits in verschiedenen Marsregionen entdeckt. Ihre Existenz deutet darauf hin, dass fließendes Wasser einst weit verbreitet war – wobei Niederschlag als wahrscheinlichste Quelle gilt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Oberflächenwasser während des Übergangs von der sogenannten noachischen zur hesperianischen Periode – also vor etwa 3,7 Milliarden Jahren – in Noachis Terra stabil vorhanden gewesen sein könnte. Diese Zeit war geprägt von geologischen und klimatischen Veränderungen.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Anzeige

Noachis Terra: Bislang erst wenig erforscht

Weil sich hier nur wenige Talnetzwerke finden, wurde Noachis Terra bislang weniger intensiv erforscht als andere Regionen des Mars. Solche verzweigten Erosionsstrukturen dienen traditionell als Hinweis auf frühere Niederschläge und Abflussprozesse. Stattdessen konzentriert sich die aktuelle Studie auf mäandernde Flussrücken als alternative Hinweise auf früheres Oberflächenwasser.

„Den Mars zu untersuchen, insbesondere eine bisher wenig erforschte Region wie Noachis Terra, ist äußerst spannend, weil es sich um ein Umfeld handelt, das seit Milliarden von Jahren weitgehend unverändert geblieben ist“, erläuterte Losekoot. „Es ist eine Zeitkapsel, die fundamentale geologische Prozesse dokumentiert – auf eine Weise, wie es auf der Erde kaum möglich ist.“

Ein mäßig erodierter, fluvialer, mäandernder Rücken mit vielen kleinen Einschlagskratern hebt sich deutlich vom umliegenden Gelände ab. Im Nordosten tritt er aus einem kleinen Tal hervor, wird nach Westen hin deutlicher und verschwindet schließlich. Die ausgeprägte Krümmung des Rückens spricht für eine ehemalige Flussschleife (Mäander). Nördlich davon befindet sich eine runde, flache Struktur – vermutlich ein Einschlagskrater, der einst mit Wasser oder Sediment gefüllt war.Copyright/Quelle: CTX image: MurrayLab_V01_E020_N-20_Mosaic. Credit: NASA/JPL/MSSS/The Murray Lab
Ein mäßig erodierter, fluvialer, mäandernder Rücken mit vielen kleinen Einschlagskratern hebt sich deutlich vom umliegenden Gelände ab. Im Nordosten tritt er aus einem kleinen Tal hervor, wird nach Westen hin deutlicher und verschwindet schließlich. Die ausgeprägte Krümmung des Rückens spricht für eine ehemalige Flussschleife (Mäander). Nördlich davon befindet sich eine runde, flache Struktur – vermutlich ein Einschlagskrater, der einst mit Wasser oder Sediment gefüllt war.
Copyright/Quelle: CTX image: MurrayLab_V01_E020_N-20_Mosaic. Credit: NASA/JPL/MSSS/The Murray Lab
Anzeige

Vergangenheit des Mars komplexer als bislang gedacht

Viele dieser Strukturen erscheinen als isolierte Segmente, andere bilden ausgedehnte Systeme, die sich über Hunderte von Kilometern erstrecken und sich bis zu mehreren Dutzend Metern über das umgebende Gelände erheben: „Die weite Verbreitung und Ausprägung dieser Rücken deuten darauf hin, dass sie sich über geologisch signifikante Zeiträume unter relativ stabilen Oberflächenbedingungen gebildet haben müssen. Die räumliche Verteilung und das Ausmaß der Strukturen legen nahe, dass der Ursprung des Wassers Niederschlag war. Unsere Arbeit liefert ein neues Beweisstück dafür, dass der Mars einst ein viel komplexerer und aktiverer Planet war als heute – und es ist äußerst spannend, daran mitwirken zu dürfen“, so Losekoot.

Die Tatsache, dass die Rücken ausgedehnte, miteinander verbundene Systeme bilden, deute weiterhin darauf hin, dass die feuchten Bedingungen über längere Zeiträume bestanden haben müssen. Noachis Terra dürfte demnach über geologisch relevante Zeiträume hinweg ein warmes und feuchtes Klima erlebt haben.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Studie legt nahe: Auch auf dem Mars hat es einst geregnet und geschneit 22. April 2025
Der Mars könnte hunderte Millionen Jahre länger lebensfreundlich gewesen sein, als bisher angenommen 2. Dezember 2024
Marsrover entdeckt mögliche Anzeichen für urzeitliches Leben auf dem Mars 25. Juli 2024
Auf dem Mars könnte jahrmillionenlang Wasser geflossen sein 16. Januar 2024

Recherchequelle: Royal Astronomical Society

© grenzwissenschaft-aktuell.de

Anzeige
Artikeln teilen
Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist
Unterstützen Sie die tägliche journalistische Arbeit an GreWi

Wenn Sie GreWi unterstützen möchten, so können Sie dies am besten mit einem freiwilligen GreWi-Unterstützer-Abo tun – und erhalten dafür auch noch themenbezogenen Gegenleistungen und nehmen an allen unseren Buch- und Filmverlosungen teil.

Bücher von GreWi-Hrsg. Andreas Müller

Andreas Müller

Fachjournalist Anomalistik • Sachbuchautor • Publizist

Mehr auf Wikipedia

Deutschlands UFO-Akten: Über den politischen Umgang mit dem UFO-Phänomen in Deutschland …

Deutschlands historische UFO-Akten: Schilderungen unidentifizierter Flugobjekte und Phänomene in…

Kornkreise. Geometrie, Phänomene, Forschung

Phänomen Kornkreise: Forschung zwischen Volksüberlieferung, Grenz- und Naturwissenschaft

Hol Dir Deine
GreWi-App!
app-store play.google.com
..zeig, dass Du
ein GreWi bist!
Shop