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Studie untersucht Frage nach unentdecktem Alien-Signalen

Lausanne (Schweiz) – Seit den ersten SETI-Experimenten im Jahr 1960 durchsuchen Astronomen den Himmel nach technologischen Spuren außerirdischer Zivilisationen. Radiowellen, optische Lichtblitze, Infrarotsignaturen möglicher Megastrukturen – bislang blieb jede Suche ohne bestätigten Befund. Eine neue theoretische Studie stellt nun eine unbequeme Frage: Was wäre, wenn außerirdische Signale die Erde längst erreicht haben – wir sie aber schlicht nicht bemerkt haben?

Symbolbild: SETICopyright: seti.org
Symbolbild: SETI
Copyright: seti.org

Als „Technosignatur“ gilt jede messbare Spur fortgeschrittener Technologie jenseits der Erde. Dazu zählen künstliche Radiosignale, Laserblitze oder überschüssige Wärme, wie sie bei großskaligen technischen Projekten entstehen könnte.

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Technosignaturen: Mehr als nur Radiosignale

Damit eine solche Signatur entdeckt wird, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Erstens muss das Signal physikalisch die Erde erreichen. Zweitens müssen unsere Instrumente empfindlich genug sein, um es zu registrieren – im richtigen Frequenzbereich, zur richtigen Zeit und klar unterscheidbar von natürlichen und eigenen technologischen Quellen. Ein Signal kann also durchaus unseren Planeten durchquert haben und dennoch unentdeckt geblieben sein: weil zu schwach, zu kurzlebig, in der falschen Wellenlänge oder schlicht im kosmischen Hintergrundrauschen verloren. Genau diese Möglichkeit – dass Signale uns bereits erreicht haben könnten – wird häufig als Erklärung für die „unheimliche Stille“ des Alls herangezogen.

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Ein statistischer Realitätscheck

Doch wie plausibel ist diese Annahme tatsächlich? Der EPFL-Physiker Claudio Grimaldi untersuchte diese Frage mit einem bayesianischen Statistikansatz. Sein Ziel: abzuschätzen, wie viele außerirdische Signale seit 1960 die Erde hätten passieren müssen, damit heute eine realistische Chance bestünde, eines davon zu entdecken – und aus welchen Entfernungen diese wahrscheinlich stammen würden. Seine Ergebnisse hat der Wissenschaftler aktuell im „The Astronomical Journal“ (DOI: 10.3847/1538-3881/ae394b) publiziert.

In seinem Modell breiten sich Technosignaturen mit Lichtgeschwindigkeit aus. Ihre Lebensdauer kann extrem variieren – von wenigen Tagen bis zu Jahrtausenden. Eine „Kontaktaufnahme“ liegt bereits dann vor, wenn ein solches Signal die Position der Erde im Raum durchquert. Entdeckt wird es jedoch nur, wenn die Quelle innerhalb eines Entfernungsbereichs liegt, in dem unsere Instrumente ausreichend empfindlich sind.

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Berücksichtigt wurden sowohl omnidirektionale Emissionen – etwa Abwärme großer Strukturen – als auch stark gebündelte Signale wie gezielte Laserimpulse. Beide Varianten flossen gleichwertig in die Analyse ein.

Das Ergebnis stellt eine verbreitete optimistische Annahme infrage: Wollen Forscher heute mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Signal aus wenigen Hundert oder Tausend Lichtjahren Entfernung entdecken, müsste zuvor eine enorme Zahl an Technosignaturen unbemerkt die Erde passiert haben. In vielen Szenarien wären diese Zahlen so groß, dass sie sogar die geschätzte Anzahl potenziell bewohnbarer Planeten in diesem Raumvolumen übersteigen würden. Solche Konstellationen sind statistisch nicht unmöglich – aber äußerst unwahrscheinlich.

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Weit hinaus statt nur ins kosmische Umfeld

Erst wenn man den Suchradius auf mehrere Tausend Lichtjahre oder gar galaktische Dimensionen ausdehnt, wird eine Entdeckung plausibler. Vorausgesetzt allerdings, Technosignaturen sind langlebig und über große Teile der Milchstraße verteilt. Selbst dann wäre die Zahl gleichzeitig detektierbarer Signale verschwindend gering – möglicherweise nur wenige im gesamten Sternsystem unserer Galaxie zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Im Ergebnis legt die Studie nahe: Falls außerirdische Technologien existieren und tatsächlich schon Kontakt im physikalischen Sinne stattgefunden hat, dann sind diese Zivilisationen vermutlich selten, weit entfernt oder senden über extrem lange Zeiträume hinweg – nicht jedoch zahlreich und in unmittelbarer Nachbarschaft.

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Geduld statt Erwartungshaltung

Die Vorstellung, wir müssten „nur lange genug hinhören“, um bald ein eindeutiges Signal zu empfangen, erscheint unter diesen Annahmen zu optimistisch. Die Tatsache, dass mögliche Signale in der Vergangenheit unentdeckt geblieben sein könnten, bedeutet nicht automatisch, dass ein Durchbruch unmittelbar bevorsteht. Stattdessen spricht vieles für einen langfristigen, systematischen Ansatz: breite und tiefe Himmelsdurchmusterungen, die große Teile der Milchstraße erfassen, statt sich ausschließlich auf das nähere galaktische Umfeld zu konzentrieren.

Die kosmische Stille könnte demnach weniger ein Zeichen von Abwesenheit sein als Ausdruck statistischer Seltenheit und gewaltiger Distanzen. Die Suche nach Technosignaturen bleibt damit eine Frage von Ausdauer, Sensitivität – und realistischer Erwartungshaltung.

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Quelle: The Astronomical Journal

© grenzwissenschaft-aktuell.de

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist
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