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Studie vergleicht Wirkung psychedelischer Drogen (DMT) und Nahtoderfahrungen

Greenwich (Großbritannien) – Eine aktuelle Studie beschreibt nicht nur Gemeinsamkeiten zwischen Nahtoderfahrungen und psychedelischen Zuständen, sondern auch entscheidende Unterschiede.

Symbolbild: Nahtoderfahrung (Illu.)Copyright: FalcoZen (https://pixabay.com/users/falcozen-43288380/) (via Pixabay.com) / Pixabay License
Symbolbild: Nahtoderfahrung (Illu.)
Copyright: FalcoZen (https://pixabay.com/users/falcozen-43288380/) (via Pixabay.com) / Pixabay License

– Der folgende Artikel des Psychologen Dr. Pascal Michael von der von der University of Greenwich erschien am 29. Juli 2025 im englischsprachigen Original unter dem Titel „Psychedelic drug DMT and near death experiences have long been linked – my study is the first to explore the connection in depth“ auf TheConversation.com unter der Lizenz Creative Commons und wurde von GrenzWissenschaft-aktuell.de (GreWi) ins Deutsche übersetzt.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum Menschen, die dem Tod nahekommen, oft davon berichten, sich auf ein übernatürliches Licht zuzubewegen oder ihr Leben vor ihren Augen vorbeiziehen zu sehen? Vielleicht haben Sie auch schon von dem starken Psychedelikum Dimethyltryptamin (DMT) gehört, einer Klasse-A-Verbotsdroge im Vereinigten Königreich, und wie es möglicherweise die sogenannten Nahtoderfahrungen hervorrufen könnte. In einer aktuell im Fachjournal „Frontiers in Psychology“ (DOI: 10.3389/fpsyg.2025.1532937) erschienenen Studie habe ich beide Arten von Erfahrungen miteinander verglichen und festgestellt, dass sie faszinierende Gemeinsamkeiten, aber auch entscheidende Unterschiede aufweisen.

Einige frühere Studien haben nahegelegt, dass es grundlegende Überschneidungen zwischen den Erfahrungen während einer Nahtoderfahrung (Near Death Experience, NDE) und unter DMT gibt. Meine Promotion war jedoch die Erste, die einen tiefgehenden und differenzierten qualitativen Vergleich zwischen DMT-Trips und NDEs anstellte. Es war zudem die erste Feldstudie ihrer Art, die authentische Erfahrungen erfasste, anstatt die Teilnehmer im Labor DMT einnehmen zu lassen.

Sechsunddreißig Teilnehmer konsumierten verdampftes hochdosiertes DMT, das typischerweise aus einer Glas-Pfeife inhaliert wird, in vertrauten Umgebungen wie ihren eigenen Wohnungen. Meine Kollegen und ich nutzten eine Interviewtechnik (https://link.springer.com/article/10.1007/s11097-018-9597-4), inspiriert von der Mikro-Phänomenologie (https://www.plymouth.ac.uk/research/institutes/cognition/micro-phenomenology) – ein neuer wissenschaftlicher Ansatz, der Menschen helfen soll, gewöhnliche, aber normalerweise unzugängliche Dimensionen ihrer gelebten Erfahrung zu erschließen.

Dieser Ansatz hilft den Befragten, Details ihrer Erlebnisse in ihren eigenen Worten, chronologisch und Moment für Moment zu schildern, wobei verschiedene Dimensionen wie Sinnes- oder Gefühlswahrnehmungen ausgeweitet werden.

So konnten wir die Erfahrungen viel detaillierter untersuchen – etwa wie sich allgemeine Themen, wie das Treffen ungewöhnlicher Wesen oder das vollständige Auflösen des eigenen Selbst, konkret äußerten.

Außerdem konnten wir erfassen, wie oft jede Art dieser Details vorkam. Diese Beschreibungen verglichen wir anschließend mit unserer Analyse der Rohdaten einer anderen Forschungsgruppe aus deren Publikation von 2018, die 34 durch Herzstillstand ausgelöste NDEs untersuchte.

Meine Studie zeigt, dass beide Arten von Erfahrungen auch wichtige Unterschiede aufwiesen, die Forscher bisher übersehen haben.

In beiden Gruppen berichteten Menschen häufig, dass sie sich von ihrem Körper lösten, Wesen begegneten, durch geheimnisvolle Räume wie Tunnel oder Leeren reisten und helles Licht sahen. Diese Gemeinsamkeiten deuten auf ähnliche Gehirnprozesse hin – wie Störungen in jenen Bereichen, die die Körperkarte, die Simulation fremder Perspektiven, die Sinneswahrnehmung und die räumliche Verarbeitung steuern.

DMT-Trips enthielten jedoch fast nie die klassische NDE-Komponente einer „Lebensrückschau“ oder die Dramatik der Rückkehr ins Leben, wie das Überschreiten einer symbolischen Schwelle ohne Wiederkehr. Umgekehrt beinhalteten NDEs praktisch nie die visuellen komplexen geometrischen Muster, die für den DMT-Trip ikonisch sind.

Der wohl auffälligste Unterschied zeigte sich jedoch in der Art, wie diese Elemente dargestellt wurden: Während Menschen mit NDEs häufig davon berichteten, verstorbenen Angehörigen zu begegnen, schilderten DMT-Nutzer durchweg Begegnungen mit überirdischen oder fremdartigen Wesen.

Sich plötzlich in einen Geist verwandelt zu finden, der den eigenen Körper von oben sieht, bevor man von einem spirituellen Führer begrüßt wird, schien charakteristisch für NDEs zu sein. DMT hingegen löschte schlicht die Körperwahrnehmung aus, während die Nutzer in eine transzendente Welt katapultiert wurden, bewohnt von mechanischen Clowns oder schlangenartigen Wissenschaftlern.

Meine Kollegen und ich schlagen vor, dass eine Mischung aus gemeinsamer Gehirnbiologie und individueller Psychologie erklären könnte, warum diese Erfahrungen in ihren allgemeinen Elementen so ähnlich, in ihren Inhalten aber so unterschiedlich sind.

Einige besonders rätselhafte Phänomene in NDEs – wie die „Peak in Darien“-Erfahrung, bei der Sterbende bereits verstorbene Menschen sehen, von deren Tod sie jedoch nichts wissen konnten, oder korrekt Dinge in ihrer Umgebung wahrnehmen, während sie außerhalb ihres Körpers sind – sind von der Neurowissenschaft bislang nicht vollständig erklärt. Die oben genannten gemeinsamen Merkmale lassen sich jedoch wahrscheinlich direkt auf die Wirkungen von DMT oder den Nahtodzustand auf unser Gehirn zurückführen. Man könnte sie sich wie universelle Bühnenrequisiten vorstellen, die durch die Biologie unseres Gehirns gesetzt werden. Doch die Geschichten, die wir an diese Requisiten knüpfen – ob nun eine verstorbene Tante oder ein vieläugiges Oktopuswesen – werden durch persönliche Hintergründe, kulturelle Erwartungen und Erinnerungen beeinflusst.

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DMT und das Gehirn

Frühe Psychedelika-Forscher vermuteten, dass DMT das Gehirn während Nahtoderfahrungen überschwemmen könnte. Doch das Leben ist nicht so einfach – und der Tod auch nicht.

Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass Ratten DMT nicht nur in ihren Zirbeldrüsen produzieren, sondern auch in ihrem Kortexgewebe – einschließlich im Moment des Todes. Es gibt jedoch bisher keine Belege dafür, dass dies auch im menschlichen Gehirn geschieht. Selbst wenn Menschen beim Sterben DMT in psychoaktiver Menge produzieren, könnten körpereigene Enzyme es abbauen, bevor es das Gehirn erreicht oder dort genügend Wirkung entfaltet. Zusätzlich steigt Serotonin bei extremem Stress dramatisch an, was selbst psychedelische Effekte hervorrufen kann – und stärker an die Serotonin-Rezeptoren bindet als DMT, was eine mögliche DMT-Wirkung sogar überlagern könnte.

Allerdings argumentieren einige Wissenschaftler, dass die Messmethoden, mit denen DMT im Rattengehirn während eines Herzstillstands erfasst wurde, kurzzeitige, stärkere Spitzen im gesamten Gehirn übersehen könnten. Zudem meinen manche Forscher, dass Schädigungen bestimmter neuronaler Netzwerke sowie Sauerstoffmangel im Sterben die psychedelischen Wirkungen von DMT verstärken könnten.

Interessanterweise entdeckte unsere Studie auch eine Untergruppe von Nahtoderfahrungen, die nicht die typischen Bilder einer prototypischen NDE enthielten, sondern abstrakte, kosmische Visionen, die eher für DMT-Trips typisch sind. Es ist schwer zu sagen, woher diese atypischen NDEs stammen könnten. Vielleicht treten sie auf, wenn jemand weniger vorgefasste Vorstellungen über NDEs hat oder stärkere über psychedelische Trips. Vielleicht produzierte der Körper in diesen Fällen auch höhere DMT-Mengen als gewöhnlich bei einer NDE. Die nächste Grenze dieser Forschung wäre es, die Gehirnaktivität dann zu verfolgen, wenn solche allgemeinen Merkmale auftreten. Ebenso brauchen wir mehr Studien zu den möglichen psychologischen und kulturellen Gründen, warum diese Merkmale auf genau diese Weise ausgedrückt werden.

Viele indigene Völker weltweit meinen, dass die moderne Wissenschaft überflüssig sei. Ayahuasca, ein schamanischer Trank, der DMT enthält, wird von Stämmen im gesamten Amazonasgebiet genutzt, um sich mit der Geisterwelt zu verbinden und mit den Ahnen zu kommunizieren.

Menschen, die eine NDE erlebt haben, verlieren danach fast immer ihre Angst vor dem Tod. Da DMT viele Aspekte von NDEs reproduziert, könnte es – in Kombination mit psychologischer Begleitung – zu einem mächtigen therapeutischen Werkzeug werden, insbesondere für Menschen mit existenzieller Angst oder Todesfurcht, ob sie nun unheilbar krank oder körperlich gesund sind. Wissenschaftler erforschen bereits, ob Ayahuasca zur Behandlung von anhaltenden Trauerstörungen geeignet ist.

Wir beginnen gerade erst, die möglichen Implikationen von DMT – dieser „mystischen“ Substanz – zu entmystifizieren.

© Pascal Michael via TheConversation.com 

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Andreas Müller
Fachjournalist Anomalistik | Autor | Publizist
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