Ausblick: Die faszinierendsten Weltraummissionen 2026 aus GreWi-Perspektive
Washington (USA) – 2026 wird wieder einmal ein ebenso faszinierendes wie spannendes Jahr für die Raumfahrt. Während sicherlich die bemannte Rückkehr zum Mond – zunächst zwar nur in eine Mondumlaufbahn (Artemis II) – im Mittelpunkt stehen wird, erwarten uns aber auch spannende Starts von Missionen zur Suche nach lebensfreundlichen Exoplaneten und Leben im Sonnensystem. GreWi wirft einen Blick auf die wichtigsten dieser Missionen 2026.

Inhalt
Pandora – Kleinsatellit analysiert Atmosphären um nahe Exoplaneten
2021 im Rahmen der ersten Ausschreibung von NASA für sogenannte Pioneer-Missionskonzepte ausgewählt, ist der Kleinsatelliten „Pandora“ dafür konzipiert, die Atmosphären von Exoplaneten – also Welten außerhalb unseres Sonnensystems – sowie die Aktivität ihrer Zentralsterne über lange Zeiträume hinweg mit mehrwelligen Beobachtungen zu untersuchen.

Copyright: NASA
Pandora wird dabei mindestens 20 Sterne und 39 dortige Planeten ins Visier nehmen, die bereits von anderen Missionen mithilfe der Transitmethode entdeckt wurden. Diese Planeten rangieren von etwa erdgroßen Planeten bis hin zu jupitergroßen Gasriesen um Zentralgestirne von mittleren K-Spektraltypen bis zu späten M-Sternen. Bei sogenannten Transits handelt es sich um Ereignisse, bei denen ein Planet vor seinem Stern vorbeizieht und dabei einen minimalen Helligkeitsabfall im Sternlicht verursacht. Solche Transits sind für die Wissenschaft besonders interessant, da sie zusätzliche Informationen über die Atmosphäre des jeweiligen Planeten liefern können.
Dieser Analyseprozess hängt jedoch stark vom Verhalten des Sterns selbst ab: Weist der Stern besonders dunkle oder helle Regionen auf – vergleichbar mit Sonnenflecken oder sogenannten Flares auf unserer Sonne –, kann sich sein Spektrum im Laufe der Zeit verändern. Diese Variationen können Merkmale im Spektrum des Planeten nachahmen oder überlagern und damit die Interpretation der Atmosphärendaten erschweren.
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Pandora soll deshalb die Spektren von Stern und Planet voneinander trennen, indem die Helligkeit des Zentralsterns im sichtbaren Licht kontinuierlich überwacht wird, während gleichzeitig Infrarotdaten gesammelt werden. Diese kombinierten Beobachtungen über mehrere Wellenlängen hinweg erlauben es, den Einfluss von Sternflecken besser einzugrenzen und das Sternspektrum vom Planetenspektrum zu separieren.
Während der Planet vor seinem Stern vorbeizieht, durchquert ein Teil des Sternlichts die Atmosphäre des Planeten. Durch den Vergleich des Transitspektrums mit dem reinen Spektrum des Sternlichts können Astronomen die charakteristischen Signaturen von Elementen und chemischen Verbindungen in der Atmosphäre des Planeten herausfiltern. Pandora wird dabei gezielt nach Exoplaneten suchen, deren Atmosphären überwiegend aus Wasserstoff oder Wasser bestehen.
Der Start des Satelliten ist bereits für den 5. Januar 2026 vorgesehen. Dann soll Pandora an Board einer SpaceX-Falcon-9-Raketen von der Vandenberg Space Force Base im US-Bundesstaat Nebraska abheben.
Venus Life Finder – Suche nach Leben in der Venusatmosphäre
Nach dem Nachweis potenzieller Biomarker, unter anderem Phosphin, in den gemäßigten Atmosphärenschichten der Venus (…GreWi berichtete) soll die private Mission „Venus Life Finder“ (VLF) eine unbemannte Sonde in die Venusatmosphäre schicken, um dort nach Anzeichen von Leben zu suchen. Damit wäre die Sonde die erste private Mission zu einem anderen Planeten.
Die Sonde soll jedoch nicht nach dem Biomarker Phosphin selbst, sondern grundsätzlich nach organischen Verbindungen in der Venusatmosphäre suchen, die auf lebensfreundliche Bedingungen in den Wolkenschichten der Venus hinweisen könnten. Für seine Messungen hat der Venus Life Finder jedoch nur 5 Minuten Zeit, um ihre Messungen durchzuführen. – so lange wird ihr Fall durch die interessanten, potenziell lebensfreundlichen Atmosphärenschichten zwischen 65 und 45 Kilometern Höhe dauern.

Copyright/Quelle: Rocket Lab
Die Mission wird von dem Raumfahrtunternehmen Rocket Lab in Zusammenarbeit mit einem Team unter der Leitung der Astrophysikerin Sara Seager vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt. Nach einem ursprünglich geplanten Missionsstart 2023, dann 2025 soll die Sonde nun in diesem Jahr zur Venus aufbrechen. Wann genau, ist bislang noch unklar.
GreWi-Dossier: Biomarker Phosphin in der Venusatmosphäre?
…die bisherigen GreWi-Meldungen dazu in chronologischer Reihenfolge beginnend bei der ErstmeldungVorab geleaked: Astronomen finden starke Hinweise für mikrobisches Leben auf der Venus 14. September 2020
Breakthrough Initiative fördert Suche nach primitivem Leben in den Wolken der Venus 16. September 2020
Leben auf der Venus? Forscher hoffen schon in wenigen Wochen auf weitere Daten 21. September 2020
Private Mission zur Suche nach Leben auf der Venus könnte schon 2023 starten 24. September 2020
Zweifel an Nachweis des Biomarkers Phosphin in der Venus-Atmosphäre 21. Oktober 2020
Weiterer Hinweis auf Leben auf Venus? Aminosäure Glycin in lebensfreundlicher Zone der Venus-Atmosphäre 18. Oktober 2020
Möglicher Biomarker auf der Venus: Astronomen stufen Aussagen herab 18. November 2020
Studie: Biomarker in der Venusatmosphäre vermutlich nur gewöhnliches Schwefeldioxid 28. Januar 2021
Phosphin in Venusatmosphäre spricht für explosiven Vulkanismus auf der Venus 12. Juli 2021
Doch Biomarker auf der Venus? – Venus Phosphin-Update 2. Dezember 2021
Phosphin: Neue unabhängige Messungen bestätigen erneut möglichen Biomarker in der Venusatmosphäre 17. August 2022
Fachartikel sieht weiterhin Hinweise für Leben in der Venus-Atmosphäre 3. Dezember 2022
Weitere Studie zu Biomarkern auf der Venus: “Wenn Phosphin, dann nur ganz wenig” 6. Dezember 2022
Erneute Detektion von Phosphin: Gibt es Leben in der Venus-Atmosphäre? 11. Juli 2023
Studie legt nahe: Auch die Venus hatte vor Milliarden vermutlich erdähnliche Plattentektonik 29. Oktober 2023
Studie: Leben in Säurewolken der Venus möglich – Private Mission will 2025 danach suchen 8. Januar 2024
Weitere chemische Anomalien in der Venusatmosphäre wecken Hoffnung Leben 26. Januar 2024
Phosphin und Ammoniak: Neue Detektionen bestärken Hoffnung auf Leben auf der Venus 30. Juli 2024
Studie zweifelt an einst lebensfreundlicher Venus 3. Dezember 2024
DNA-ähnliches Molekül könnte Bedingungen in venusähnlichen Wolken überleben 12. Mai 2025
Alte Pioneer-Daten zeigen: Venus-Wolken enthalten mehr Wasser als bislang angenommen 3. Oktober 2025
Vera Rubin Observatory – Neue Beobachtungen
Mit der Veröffentlichung der ersten Aufnahmen im vergangenen Juni (…GreWi berichtete) nahm das Vera Rubin Observatory 2025 seinen wissenschaftlichen Dienst auf. Neben rein astrophysikalischen Phänomenen könnte das Super-Teleskop mit seiner 3,2-Milliarden-Pixel-Kamera auch unidentifizierte, vermeintlich außerirdische technische Objekte im Erdorbit sowie im fernen All orten oder auch den vorhergesagten „Planet Nine“ finden.
Geplant sind unter anderem eine zehnjährige Durchmusterung des südlichen Himmels: Alle vier Tage wird das Teleskop dazu im Rahmen des Programms „Legacy Survey of Space and Time“ (LSST) den gesamten Südhimmel vermessen und dabei wahrscheinlich viele neue interstellare Objekte entdecken. Dabei könnte das Observatorium auch Antworten auf die Frage nach der Existenz eines noch unbekannten großen Planeten im äußeren Sonnensystem – dem sog. Planet Nine – liefern.
Auch Detektion von fernen und nahen UFOs möglich: Astronomen wie Prof. Avi Loeb von der Harvard University sehen in den zukünftigen Beobachtungen des Vera Rubin Observatoriums nicht nur Potenzial für die klassische Astronomie, sondern auch für die Suche nach technologischen außerirdischen Objekten im Sonnensystem. Dazu zählen interstellare Besucher wie ’Oumuamua ebenso wie mögliche Forschungssonden in Erdnähe – etwa in Form von unidentifizierten Flugobjekten und anomalen Phänomenen UFOs bzw. UAPs.

Copyright: VRO/LSST
Schon im Februar 2024 hatte Loeb frühere Erkennungsgrenzen des LSST durch neue Berechnungen aktualisiert. Demnach könnte das Teleskop künftig Objekte im niedrigen Erdorbit (LEO) identifizieren, wenn sie größer als ein Meter sind und mindestens 0,1 % des Sonnenlichts reflektieren. Diese Sensitivität würde es ermöglichen, neben Satelliten und Weltraumschrott auch mögliche UAPs mit ungewöhnlichen Lichtsignaturen oder Flugmustern zu erkennen.
„Selbst wenn nur eines von einer Million dieser Objekte außerirdisch-technologischer Herkunft wäre, hätte seine Identifikation enormes wissenschaftliches Gewicht“, betont Loeb. Sein Galileo Project sucht parallel mit bodengestützten Teleskopen gezielt nach solchen Objekten in Satellitengröße.
Auch weiter entfernte interstellare Objekte innerhalb der Erdbahn, etwa von der Größe eines SpaceX-Starships oder größer als ’Oumuamua, könnten mit LSST monatlich entdeckt werden. (…Grewi berichtete).
PLATO – Europäische Sonde soll Felsplaneten finden
Die ESA-Mission “PLAnetary Transits and Oscillation of stars” (PLATO) soll ebenfalls mittels Transitmethode Exoplaneten vor ihrem Mutterstern entdecken und charakterisieren.
Mit 26 Kameras wird PLATO zwei ausgewählte Himmelsregionen nacheinander über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren laut offizieller Missionshomepage beobachten. Mithilfe der Transitmethode sollen dabei Exoplaneten nachgewiesen werden, wobei bis zu eine Million Sterne in die Untersuchungen einbezogen werden. Im Vergleich zu früheren Missionen wie „CoRoT“ und „Kepler“ deckt PLATO ein deutlich größeres Beobachtungsfeld ab und verfügt über eine speziell auf erdähnliche Planeten ausgelegte Optik. Dadurch werden insbesondere zahlreiche Entdeckungen von Gesteinsplaneten in Erdgröße bei helleren, sonnenähnlichen Sternen erwartet. Bislang konnten erdgroße Exoplaneten aus methodischen Gründen überwiegend hauptsächlich bei kühleren, kleineren Sternen identifiziert werden.

Quelle/Copyright: ESA/ATG Europe
Nachweisbar sind jedoch nur Planeten mit Umlaufzeiten von weniger als 365 Tagen, da für eine sichere Bestätigung mindestens drei Transits vor dem Stern registriert werden müssen. An die beiden Langzeitbeobachtungsphasen schließen sich mehrere zusätzliche Beobachtungen einzelner Himmelsausschnitte an, die jeweils rund drei Monate dauern sollen.
Ergänzend dazu werden die von Planeten umkreisten Sterne mithilfe asteroseismologischer Verfahren untersucht. Voraussetzung hierfür sind hochpräzise Positions- und Entfernungsdaten der ESA-Kartierungsmission „Gaia“, die für zahlreiche planetare Parameterberechnungen unverzichtbar sind.
Die wissenschaftliche Gesamtleitung der Mission liegt bei Heike Rauer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Beteiligt sind unter anderem das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen sowie weitere Forschungseinrichtungen.
Das Konsortium stellt die gewonnenen Daten und Auswertungsergebnisse der ESA zur Verfügung, die für die Archivierung und öffentliche Bereitstellung verantwortlich ist. Darüber hinaus erarbeitet das PMC Vorschläge für weiterführende Missionen und langfristige Beobachtungsprogramme.
Der Missionsstart ist für Ende 2026, eventuell jedoch erst für Anfang 2027 anvisiert.
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Trumps Haushalt 2026 gefährdet zahlreiche bedeutende Missionen von NASA und internationalen Partnern 3. Juni 2025
Quellen: NASA, ESA, MIT/Rocket Lab eigenen Recherchen GreWi
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